Zug fahren in der Nationalwoche war
gar nicht so schlimm wie ich es mir vorgestellt habe. In der Nationalwoche oder
auch „goldenen Woche“ haben alle Chinesen frei und somit reisen alle entweder
innerhalb Chinas oder eben auch ins Ausland. Eigentlich wollten wir gar nicht
verreisen, weil alle immer meinten es würde die Hölle los sein. Aber letztendlich
haben wir uns doch entschieden und waren 6 Tage unterwegs: Chongqing - Yichang
– Jingzhou – Wuhan – Chongqing.
Auf unserer Reise sind wir kaum
Ausländern begegnet. Damit war die Freude der Chinesen deutlich zu sehen als
sie uns bemerkten. Die einen Kinder freuen sich, winken einem zu. Andere
hingegen… nunja. Wir saßen im Zug als ein Vater mit seinem kleinen Sohn an uns
vorbei ging. Das Kind schaute Alex an und rannte weinend zu seinem Papa. :-D
Wir waren doch eher eine Rarität.
Die Züge waren immer komplett
ausgebucht. Wir waren froh überhaupt noch Tickets bekommen zu haben. Somit sind
wir die Strecke von Chongqing nach Yichang in der 1. Klasse gefahren. 4,5
angenehme Stunden waren das. In diesem Abteil gibt es auch europäische
Toiletten. In der 2. Klasse, die wir ansonsten immer gefahren sind, musste ich
feststellen, gibt es nur die berühmten Hocktoiletten. Aber die kenne ich schon
aus Russland.
Die Aussicht, falls man nicht gerade
durch einen der gefühlt 100 Tunnel fährt, ist großartig!
Angekommen in Yichang, einer Stadt
mit ca. 4 Mio. Einwohnern, hat uns ein Taxi in unser Hotel gebracht. Haha,
schön wär´s. Er hat uns nämlich ein paar Häuser zu früh vor einem anderen Hotel
rausgelassen und wir haben das erst bemerkt als die im Hotel unsere
Buchungsnummer nicht hatten und herumtelefonieren mussten. Doof eben, wenn nur
alles auf Chinesisch steht und man es nicht lesen kann. Etwas peinlich war mir
das ja schon. Das Oukay Express Hotel
ist ganz in Ordnung. Aber so gut fand ich es nicht. Es war nicht so sauber,
auch wenn ich weiß, dass es in China mit der Sauberkeit nicht so gehandhabt
wird wie in Deutschland. Für 2 Nächte ging es aber.
Yichang gleicht gerade einer großen
Baustelle. Direkt neben unserem Hotel sowie durch die ganze Stadt hindurch
zieht sich die Baustelle für eine Schnellstraße plus einer Brücke über den
Fluss. Deshalb war es etwas schwierig über einige Straßen zu kommen, weil diese
gesperrt waren. Im Gegensatz zu Chongqing wirkt Yichang wie ein Dorf. Wenige
Leute auf den Straßen, wenig Verkehr. Fast schon Idylle. Bei einem ersten
Spaziergang durch die Stadt erblickte ich sofort einige Läden in die ich
unbedingt hinein musste: Stradivarius, Bershka, Zara und Pull & Bear.
Tatsächlich habe ich mich zusammengerissen und nichts gekauft.
Da wir uns unbedingt am
darauffolgenden Tag den berühmten Three
Gorges Staudamm anschauen wollten, sind wir losgegangen um den Yichang Great Three Gorges International
Travel Service zu finden. Von unserem Hotel nur 20 Minuten zu Fuß entfernt.
Dazu muss man in die Dong Shan Da Dao 80
(Dong Shan Avenue 80) gehen. Im Internet habe ich gelesen, dass sich diese
gegenüber vom Pinghu Hotel befindet. Tatsächlich ist es etwas irreführend, weil
es noch ein Stückchen weiter ist. Eher gegenüber vom Xindao International Hotel
(neben dem Pinghu Hotel). Dort konnten wir dann noch zwei Tickets kaufen. Pro
Person 200 Yuan (ca. 30 EUR). Froh gestimmt sind wir dann noch durch die Stadt
gelaufen: In einen Park, der verlassen wirkte und als Müllhalde diente. Nur ein
hübsches Häuschen war zu finden. Außerdem waren wir beim alten Bahnhof. Dort
war die Aussicht aber auch nicht gerade berauschend. Der zentrale Park mit
einer Straße, wo Händler draußen Verschiedenes verkaufen – von Vasen, Schmuck
und Antiquitäten bis hin zu Essen – ist aber sehr empfehlenswert! 1 Tag reicht
aber vollkommen, um sich die Stadt anzuschauen.
Dann endlich – am nächsten Tag – sind
wir um 7 Uhr morgens bei der Reiseagentur angetreten und mit dem Bus und einer
Menge Chinesen zum Staudamm in die Nähe von Sandouping gefahren. Unser
Reiseführer konnte kein Englisch und hat sich nur über sein Handy verständlich
gemacht. Nach ca. 30 bis 45 Minuten sind wir angekommen. Hahaha, nicht ganz.
Zuerst muss man in das große Hauptgebäude und durch die Sicherheitskontrolle.
Dann ist man zumindest schon mal auf dem Gelände. Danach steigt man in einen
Bus, der einen dann zum Staudamm bringt – auf eine der vielen
Aussichtsplattformen.
Infos über den Three-Gorges-Dam oder
auch die Drei-Schluchten-Talsperre
- erbaut von 1993 bis 2008
- hat 26 Turbinen
- überflutetes Gebiet (bei normalem
Wasserstand): 23.793 ha Land
- überflutete Städte: 13
- überflutete Fabriken: 657
- umgesiedelte Personen: ca. 1,3 Mio.
- Kosten: 75 Mrd. US-Dollar
Es war sehr interessant und auf jeden
Fall lohnenswert mit einer Reiseagentur hinzufahren, denn alleine irgendwie
dort hinzukommen ist schwierig. Was noch lustig war: Jedes Mal, wenn man zu
einem Ausgang möchte, muss man eine Art „Supermarkt“ durchqueren. Auf diese
Weise wird sichergestellt, dass auch ja alle ihr ganzes Geld da lassen. So war
es auch draußen. Um zum Bus zu gelangen, musste man an den ganzen Trödelständen
vorbeikommen und – Oh mein Gott! Das habe ich noch nie erlebt! – sich aneinander
vorbeiquetschen. Das aber im chinesischen Sinne! Ich konnte mich nicht bewegen,
nicht atmen, alle schieben nur und es scheint sie selber gar nicht zu stören.
Willkommen in China!
Nach ungefähr 7 Stunden (also um 14
Uhr) waren wir wieder zurück.
Übrigens haben wir ein Mädchen
kennengelernt, die mit ihrer Familie auch mit der Reiseagentur zum Staudamm
gefahren ist. Sie konnte richtig gut Englisch und hat uns deshalb ab und zu
etwas übersetzt. Es hat sich herausgestellt, dass sie in Jingzhou wohnt –
unserem nächsten Reiseziel. Dort haben wir sie auch wiedergesehen – aber dazu
mehr im nächsten Post.
Abends haben wir noch einen
Spaziergang gemacht, um die tolle Brücke zu fotografieren. Ach, und die
tanzenden Menschen haben wir beobachtet. Das sieht man wirklich in jeder
chinesischen Stadt: Abends wird Musik angemacht und wer möchte, kann einfach
bei ihrer Choreographie mitmachen. Ich gehe mal davon aus, dass das Tanzlehrer
organisieren, denn sie können richtig toll tanzen.



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen