Sonntag, 18. Oktober 2015

Reisen in China Teil 1: Yichang



Zug fahren in der Nationalwoche war gar nicht so schlimm wie ich es mir vorgestellt habe. In der Nationalwoche oder auch „goldenen Woche“ haben alle Chinesen frei und somit reisen alle entweder innerhalb Chinas oder eben auch ins Ausland. Eigentlich wollten wir gar nicht verreisen, weil alle immer meinten es würde die Hölle los sein. Aber letztendlich haben wir uns doch entschieden und waren 6 Tage unterwegs: Chongqing - Yichang – Jingzhou – Wuhan – Chongqing.
Auf unserer Reise sind wir kaum Ausländern begegnet. Damit war die Freude der Chinesen deutlich zu sehen als sie uns bemerkten. Die einen Kinder freuen sich, winken einem zu. Andere hingegen… nunja. Wir saßen im Zug als ein Vater mit seinem kleinen Sohn an uns vorbei ging. Das Kind schaute Alex an und rannte weinend zu seinem Papa. :-D Wir waren doch eher eine Rarität.
Die Züge waren immer komplett ausgebucht. Wir waren froh überhaupt noch Tickets bekommen zu haben. Somit sind wir die Strecke von Chongqing nach Yichang in der 1. Klasse gefahren. 4,5 angenehme Stunden waren das. In diesem Abteil gibt es auch europäische Toiletten. In der 2. Klasse, die wir ansonsten immer gefahren sind, musste ich feststellen, gibt es nur die berühmten Hocktoiletten. Aber die kenne ich schon aus Russland.
Die Aussicht, falls man nicht gerade durch einen der gefühlt 100 Tunnel fährt, ist großartig!


Angekommen in Yichang, einer Stadt mit ca. 4 Mio. Einwohnern, hat uns ein Taxi in unser Hotel gebracht. Haha, schön wär´s. Er hat uns nämlich ein paar Häuser zu früh vor einem anderen Hotel rausgelassen und wir haben das erst bemerkt als die im Hotel unsere Buchungsnummer nicht hatten und herumtelefonieren mussten. Doof eben, wenn nur alles auf Chinesisch steht und man es nicht lesen kann. Etwas peinlich war mir das ja schon. Das Oukay Express Hotel ist ganz in Ordnung. Aber so gut fand ich es nicht. Es war nicht so sauber, auch wenn ich weiß, dass es in China mit der Sauberkeit nicht so gehandhabt wird wie in Deutschland. Für 2 Nächte ging es aber.
Yichang gleicht gerade einer großen Baustelle. Direkt neben unserem Hotel sowie durch die ganze Stadt hindurch zieht sich die Baustelle für eine Schnellstraße plus einer Brücke über den Fluss. Deshalb war es etwas schwierig über einige Straßen zu kommen, weil diese gesperrt waren. Im Gegensatz zu Chongqing wirkt Yichang wie ein Dorf. Wenige Leute auf den Straßen, wenig Verkehr. Fast schon Idylle. Bei einem ersten Spaziergang durch die Stadt erblickte ich sofort einige Läden in die ich unbedingt hinein musste: Stradivarius, Bershka, Zara und Pull & Bear. Tatsächlich habe ich mich zusammengerissen und nichts gekauft.


Da wir uns unbedingt am darauffolgenden Tag den berühmten Three Gorges Staudamm anschauen wollten, sind wir losgegangen um den Yichang Great Three Gorges International Travel Service zu finden. Von unserem Hotel nur 20 Minuten zu Fuß entfernt. Dazu muss man in die Dong Shan Da Dao 80 (Dong Shan Avenue 80) gehen. Im Internet habe ich gelesen, dass sich diese gegenüber vom Pinghu Hotel befindet. Tatsächlich ist es etwas irreführend, weil es noch ein Stückchen weiter ist. Eher gegenüber vom Xindao International Hotel (neben dem Pinghu Hotel). Dort konnten wir dann noch zwei Tickets kaufen. Pro Person 200 Yuan (ca. 30 EUR). Froh gestimmt sind wir dann noch durch die Stadt gelaufen: In einen Park, der verlassen wirkte und als Müllhalde diente. Nur ein hübsches Häuschen war zu finden. Außerdem waren wir beim alten Bahnhof. Dort war die Aussicht aber auch nicht gerade berauschend. Der zentrale Park mit einer Straße, wo Händler draußen Verschiedenes verkaufen – von Vasen, Schmuck und Antiquitäten bis hin zu Essen – ist aber sehr empfehlenswert! 1 Tag reicht aber vollkommen, um sich die Stadt anzuschauen.
Katholische Kirche mitten im Wohngebiet
 


Dann endlich – am nächsten Tag – sind wir um 7 Uhr morgens bei der Reiseagentur angetreten und mit dem Bus und einer Menge Chinesen zum Staudamm in die Nähe von Sandouping gefahren. Unser Reiseführer konnte kein Englisch und hat sich nur über sein Handy verständlich gemacht. Nach ca. 30 bis 45 Minuten sind wir angekommen. Hahaha, nicht ganz. Zuerst muss man in das große Hauptgebäude und durch die Sicherheitskontrolle. Dann ist man zumindest schon mal auf dem Gelände. Danach steigt man in einen Bus, der einen dann zum Staudamm bringt – auf eine der vielen Aussichtsplattformen.
Infos über den Three-Gorges-Dam oder auch die Drei-Schluchten-Talsperre
- erbaut von 1993 bis 2008
- hat 26 Turbinen
- überflutetes Gebiet (bei normalem Wasserstand): 23.793 ha Land
- überflutete Städte: 13
- überflutete Fabriken: 657
- umgesiedelte Personen: ca. 1,3 Mio.
- Kosten: 75 Mrd. US-Dollar


Es war sehr interessant und auf jeden Fall lohnenswert mit einer Reiseagentur hinzufahren, denn alleine irgendwie dort hinzukommen ist schwierig. Was noch lustig war: Jedes Mal, wenn man zu einem Ausgang möchte, muss man eine Art „Supermarkt“ durchqueren. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass auch ja alle ihr ganzes Geld da lassen. So war es auch draußen. Um zum Bus zu gelangen, musste man an den ganzen Trödelständen vorbeikommen und – Oh mein Gott! Das habe ich noch nie erlebt! – sich aneinander vorbeiquetschen. Das aber im chinesischen Sinne! Ich konnte mich nicht bewegen, nicht atmen, alle schieben nur und es scheint sie selber gar nicht zu stören. Willkommen in China!
Nach ungefähr 7 Stunden (also um 14 Uhr) waren wir wieder zurück.
Übrigens haben wir ein Mädchen kennengelernt, die mit ihrer Familie auch mit der Reiseagentur zum Staudamm gefahren ist. Sie konnte richtig gut Englisch und hat uns deshalb ab und zu etwas übersetzt. Es hat sich herausgestellt, dass sie in Jingzhou wohnt – unserem nächsten Reiseziel. Dort haben wir sie auch wiedergesehen – aber dazu mehr im nächsten Post.



Abends haben wir noch einen Spaziergang gemacht, um die tolle Brücke zu fotografieren. Ach, und die tanzenden Menschen haben wir beobachtet. Das sieht man wirklich in jeder chinesischen Stadt: Abends wird Musik angemacht und wer möchte, kann einfach bei ihrer Choreographie mitmachen. Ich gehe mal davon aus, dass das Tanzlehrer organisieren, denn sie können richtig toll tanzen.


Die anderen Städte folgen dann im nächsten Post!



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